Case: 3×125 kWp auf drei Supermärkten in Oberbayern
Regional geführte Supermarkt-Kette, 3 Filialen zwischen 1.200 und 1.800 m² Verkaufsfläche, 47 Mitarbeiter. 375 kWp Gesamtleistung, 354.375 kWh Jahresertrag, 75 % Eigenverbrauch durch Kühlmöbel, Klima und Beleuchtung. Amortisation 4,6 Jahre — der beste Case im Portfolio.
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| Branche | Lebensmitteleinzelhandel / Supermarkt |
| Mitarbeiter | 47 (über 3 Filialen) |
| Standort | Oberbayern (Landshut, Erding, Freising) |
| Anlage | 3×125 kWp Flachdach-Aufständerung 10° |
| Investition | 350.000 € netto gesamt |
| Einsparung Jahr 1 | 76.000 € |
| Amortisation | 4,6 Jahre |
| CO₂-Einsparung | 167 Tonnen/Jahr |
Ausgangslage
Der Betreiber führt seit 2003 drei Supermärkte in Oberbayern unter einem Dachverband (EDEKA-Vollsortiment, selbstständig geführt). Die Filialen sind baugleich konzipiert: 1.200 bis 1.800 m² Verkaufsfläche, Öffnungszeiten Montag-Samstag 7-20 Uhr, jeweils 14-16 Kühlregale, zwei Tiefkühlinseln, eine Frischetheke mit integrierter Kühlung, Klimatisierung im Sommer, LED-Vollausleuchtung. Jahresverbrauch pro Filiale: 165.000 bis 195.000 kWh — gesamt ca. 525.000 kWh/Jahr.
Der Strompreis im Rahmenvertrag mit einem regionalen Versorger lag 2022 noch bei 18 ct/kWh, der Neuvertrag 2025 kam mit 28 ct/kWh — ein Kostenanstieg von 52.500 € pro Jahr allein durch den Tarifwechsel. Gleichzeitig ist die Marge im Lebensmittelhandel strukturell bei 2-3 % — jeder vermiedene Euro Stromkosten bedeutet 35-50 € zusätzlichen Umsatz zum Ausgleich. Die Entscheidung für PV war weniger eine ökologische als eine kaufmännische: Ohne Intervention wäre der operative Gewinn in zwei Jahren um 30 % gesunken.
Analyse + Dimensionierung
- Alle drei Dächer Flachdach, bituminöse Dachbahn, zwischen 6 und 11 Jahre alt
- Nutzbare Dachflächen nach Abzug Oberlichter, Lüfter, RLT-Anlagen: 680-820 m² je Filiale
- Statik durch Generalplaner bei Neubau 2010-2014 bereits mit PV-Reserve ausgelegt: 30 kg/m² zusätzlich
- Aufständerung 10° Süd-Ost / Süd-West (Ost-West-Hybrid auf einer Filiale wegen Dachform)
- Spezifischer Ertrag Oberbayern: 945 kWh/kWp/Jahr
- Module Trina Vertex S+ 450 W Glas-Glas mit 30-Jahr-Leistungsgarantie
- Wechselrichter Fronius Tauro Eco 100-3 je Filiale + Cloud-Monitoring mit Filial-übergreifendem Dashboard
- Bewusste Dimensionierung 125 kWp je Filiale: unter 135 kWp keine zertifizierte Direktvermarktung nötig, unter 100 kWp wäre Eigenverbrauch nicht maximal — 125 ist der ökonomische Sweetspot
Eigenverbrauchs-Analyse
- Grundlast Kühlregale + Tiefkühlung 24/7: 38 kW je Filiale (Kompressoren im Takt, Abtauzyklen)
- Beleuchtung + Kassen-IT + Warenwirtschaft 7-20h: 22 kW konstant
- Klimatisierung Sommer 10-19h: zusätzlich 25-40 kW je nach Außentemperatur
- Backofen + Frischetheke + Metzgerei morgens 6-11h: Peak 18 kW
- Eigenverbrauchsquote: 75 % — der beste Wert in jedem Branchen-Benchmark
- Eigenverbrauch: 265.780 kWh · Einspeisung: 88.595 kWh
- Warum so hoch: Supermarkt-Lastprofil und PV-Tagesgang matchen fast perfekt — Kühlung läuft 24/7, Klima genau dann, wenn PV liefert, Beleuchtung über den gesamten Tagesverlauf
Wirtschaftlichkeit Jahr 1
| Eigenverbrauch (265,78k kWh × 0,28 €) | 74.418 € |
| Einspeisung (88,6k kWh × 6,2 ct EEG >100 kWp) | 5.493 € |
| Vermiedener Leistungspreis (Spitzenreduzierung) | +3.800 € |
| Bruttoertrag | 83.711 € |
| Versicherung + Monitoring 3 Standorte | -3.100 € |
| Direktvermarktungs-Gebühr | -1.200 € |
| Wartung + Reinigung (pollenreiche Lage) | -3.411 € |
| NETTO Ertrag Jahr 1 | 76.000 € |
Die 76.000 € stehen nach allen laufenden Kosten, aber vor Kapitaldienst. Bei vollständiger Eigenkapital-Finanzierung (s. u.) ist das gleichzeitig der Netto-Cashflow.
Steuer-Hebel
GmbH & Co. KG mit drei Filial-Gesellschaften unter einer Holding. Konsolidierter Gewinn 2025: 720.000 €. IAB-berechtigt, jedoch pro Betrieb nur bis 200.000 € nutzbar.
- IAB 2025 pro Filiale: 50 % × 116.667 € = 58.334 € → gesamt 175.000 €
- Konsolidierte Gewinn-Reduzierung: 720.000 → 545.000 €
- Steuer-Ersparnis 2025: ~52.500 € (KSt 15 % + Soli + GewSt Oberbayern Hebesatz 380 %)
- Auflösung IAB + Sonder-AfA 2026 (20 %): zusätzlich 70.000 € Aufwand → ~21.000 € Ersparnis
- Lineare AfA 2026-2045: 14.000 €/Jahr × 20 Jahre → 84.000 € kumulierte Ersparnis über 20 Jahre
- Kumuliert 2025-2030: ca. 91.000 € Steuer-Ersparnis
- Amortisation inkl. Steuerhebel: 3,4 Jahre statt 4,6 Jahre
Finanzierung
- Mix aus Eigenkapital und KfW: 200.000 € EK (aus Gewinnrücklagen) + 150.000 € KfW 270
- KfW via Sparkasse Oberbayern: Zinssatz 4,85 % (Bonität A, Filial-Gesellschaften als Sicherheit)
- Laufzeit KfW: 10 Jahre, 1 tilgungsfreies Jahr
- Begründung Finanzierungs-Mix: EK-Quote aus steuerlichen Gründen (Thesaurierungsbegünstigung § 34a EStG, aber Holding-Struktur)
- Alternative PPA-Rechnung wurde geprüft (4 Anbieter) — alle lagen bei 19-21 ct/kWh; Eigenkauf rechnet sich bei 75 % EV-Quote deutlich besser
Projekt-Zeitplan (5 Monate für alle 3 Filialen)
- Woche 1-2: Gemeinsamer Vor-Ort-Check aller drei Standorte an einem Tag je Filiale
- Woche 3-4: Gesammelte Dach-Statiken + Elektro-Anschluss-Analyse (3 Netzbetreiber koordinieren)
- Woche 5-7: Ausschreibung als Paket an 4 Installateure mit regionaler Kapazität für Parallelbau
- Woche 8-10: KfW-270-Antrag + interne Gesellschafter-Beschlüsse für die drei Filial-KGs
- Woche 11: Vertrags-Unterschrift Paket-Preis mit 3 % Mengenrabatt gegenüber Einzel-Angeboten
- Woche 12-14: Material-Lieferung + Vorfertigung Unterkonstruktion Werkstatt
- Woche 15-17: Installation Filiale 1 (Landshut) — 9 Werktage bei laufendem Betrieb
- Woche 18-19: Installation Filiale 2 (Erding) — 8 Werktage
- Woche 20-21: Installation Filiale 3 (Freising) — 9 Werktage
- Woche 22: Parallele Netzanschlüsse + Inbetriebnahme + Cloud-Dashboard für Filial-Controlling
5-Jahres-Prognose
| J.1 | J.2 | J.3 | J.4 | J.5 | |
|---|---|---|---|---|---|
| Produktion (kWh) | 354k | 352k | 351k | 349k | 347k |
| Strompreis (€/kWh) | 0,28 | 0,29 | 0,30 | 0,31 | 0,32 |
| NETTO Ertrag (€) | 76,0k | 79,0k | 82,0k | 85,0k | 88,0k |
| Summiert | 76k | 155k | 237k | 322k | 410k |
Break-Even Investition: Monat 55 (Jahr 4,6). Inkl. Steuerhebel: Monat 41 (Jahr 3,4). Danach 20+ Jahre Netto-Ertrag — 25-Jahres-Gesamtertrag ca. 2,5 Mio €. Das ist nicht PV-Rendite — das ist strukturelle Margen-Verteidigung im 2-3 %-Marge-Geschäft.
Risiken + Sensitivitäten
Auch der beste Case hat Belastungstests verdient. Drei Szenarien wurden durchgerechnet:
- Strompreis-Rückgang um 25 % (auf 21 ct/kWh): NETTO Jahr 1 fällt auf 61.500 €, Amortisation verschiebt sich auf 5,7 Jahre. Immer noch deutlich besser als jede Alternative-Investition.
- Filial-Schließung einer Einheit nach 6 Jahren: 125 kWp Einzel-Anlage bleibt bestehen, kann an Nachmieter weiterverpachtet werden (Dachpacht 3.500-5.000 €/Jahr realistisch) oder wird als reine Einspeise-Anlage weitergeführt (Abschlag ca. 35 % Rendite).
- Kühl-Technologie-Wandel: Umstieg auf propan-basierte Kühlung (umweltverträglicher, 15 % stromeffizienter) wird 2028-2031 erwartet. Reduziert Eigenverbrauchs-Absolutwert, aber verbessert Kosten je kWh — netto neutral.
- Regulatorik § 14a EnWG (Netzentgelt-Reduktion bei steuerbaren Verbrauchern): bereits eingepreist, weitere Vorteile möglich.
Monitoring + Controlling
- Fronius Solar.web Dashboard — Filial-übergreifendes Benchmarking, tägliche KPI-Mail an Geschäftsführung
- Pro Filiale Lastprofil-Tracker mit 15-Min-Auflösung für Leistungspreis-Optimierung
- Quartalsbericht an Steuerberater — automatisiert als PDF + Excel (AfA, Einspeisung, Eigenverbrauch, Vergleich Vorjahr)
- Versicherung R+V Handelsbetriebe inkl. Ertragsausfall + Betriebsunterbrechung 48h Selbstbehalt
- Wartungsvertrag mit Installateur: jährliche Sichtprüfung, 2-jährige Thermografie, Wechselrichter-Service
- Notfall-SLA: Wechselrichter-Austausch innerhalb 48 Stunden garantiert (kritisch wegen Lebensmittel-Kühlung)
Lessons für andere Supermarkt-Betreiber
- Kühl-Lastprofil ist der Heiliger-Gral-Faktor — Supermärkte haben branchenweit die höchsten realistischen Eigenverbrauchsquoten bei PV. Wer das NICHT hebelt, verschenkt strukturell jedes Jahr 5-stellig.
- Mehrfilial-Bündelung — 3-5 Standorte zusammen ausschreiben bringt Mengenrabatte von 3-5 %, weil Installateure Rüstzeiten reduzieren.
- 125-kWp-Sweetspot pro Filiale — unter 135 kWp keine verpflichtende Direktvermarktung, 125 lässt Puffer für Ertragsschwankungen nach oben. 100 ist unterdimensioniert, 150 drückt die EV-Quote.
- EEG-Vergütung checken — über 100 kWp fällt die Einspeisevergütung deutlich, deshalb Eigenverbrauchs-Maximierung priorisieren. 70-80 % EV sind realistisch, darunter ist die Planung nicht ausgereizt.
- Leistungspreis-Effekt einkalkulieren — große Mittelspannungskunden zahlen den Leistungspreis auf Basis der 15-Minuten-Jahres-Spitze. PV drückt diese Spitze typischerweise um 10-20 %, was weitere 3.000-8.000 € pro Filiale spart.
- Klima-Bedarf steigt — Zukunfts-Szenario 2030: mehr Hitzetage, mehr Kühlbedarf, höhere PV-Rendite. Dimensionierung nicht am Ist-Verbrauch, sondern am 2030-Verbrauch orientieren.
- Holding-Struktur steuerlich optimieren — IAB pro Einzelgesellschaft bilden, nicht konsolidiert. Steuerberater muss das aktiv so steuern, sonst verliert man die Hebelwirkung.
Wir rechnen im Lebensmittelhandel auf 0,1-Prozentpunkte Marge — da kostet jedes falsche Investment sofort Liquidität. Der firmensolar-Rechner hat uns das Bauchgefühl mit Zahlen unterlegt, und das Ergebnis 18 Monate später stimmt auf 2 % genau. Die PV ist mittlerweile so selbstverständlich wie das LED-Licht vor 10 Jahren — die einzige Frage, die bleibt, ist, warum wir 2020 noch gezögert haben.
— T. Huber, Inhaber (anonymisiert, Region Oberbayern)
Zahlen entstammen einem echten Kundenprojekt, anonymisiert und mit Zustimmung leicht redaktionell bearbeitet. Steuerberechnungen sind Beispielrechnungen auf Basis Kalenderjahr 2025 und Hebesatz Oberbayern 380 %; individuelle Beratung durch Steuerberater erforderlich.