Case: 270 kWp auf Stalldach eines Allgäuer Milchviehbetriebs
Familienbetrieb Oberallgäu, 120 Milchkühe, 2 Stalldächer plus Scheune. 270 kWp Süd-Ost-Installation, 249.750 kWh Jahresertrag, 60 % Eigenverbrauch durch Melk-, Kühl- und Beleuchtungsbedarf. Amortisation 9,8 Jahre — mit IAB-Hebel runter auf 6,5 Jahre.
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| Branche | Landwirtschaft / Milchviehbetrieb |
| Mitarbeiter | 4 (Familienbetrieb + 1 Hilfe) |
| Standort | Oberallgäu, Bayern |
| Anlage | 270 kWp (180 Stalldach + 90 Scheune) |
| Investition | 243.000 € netto |
| Einsparung Jahr 1 | 24.892 € |
| Amortisation | 9,8 Jahre (6,5 mit IAB) |
| CO₂-Einsparung | 118 Tonnen/Jahr |
Ausgangslage
Der Familienbetrieb im Oberallgäu melkt seit 2019 in einem modernisierten Laufstall mit 120 Milchkühen. Strom ist nach Futter der zweitgrößte variable Kostenblock — und in den letzten drei Jahren von 19 ct/kWh (2022-Vertrag) auf 31 ct/kWh (Tarif 2025 inkl. Netzentgelte) gestiegen. Der Jahresverbrauch liegt bei rund 142.000 kWh: Melkstand und Milchkühltank laufen täglich vier bis fünf Stunden, die Stallbeleuchtung bei tierwohl-konformer Lichtintensität acht bis zehn Stunden, dazu Futtermischwagen, Lüftung, Gülleabpumpen und Kleinverbraucher. Hinzu kommt der Plan, 2027 einen Vorkühler mit Plattenwärmetauscher einzubauen — weitere 12.000 kWh/Jahr.
Die Frage an den Steuerberater und an firmensolar: Lohnt sich eine große PV-Anlage auf dem Südost-Dach des Hauptstalls plus Scheune? Oder reicht eine kleine 30-kWp-Hofanlage mit Einspeise-Fokus? Die Antwort entschied sich am Lastprofil und an der Tatsache, dass das Stalldach 2016 neu gemacht wurde — also statisch einwandfrei und für die nächsten 20 Jahre ohne Sanierungsbedarf.
Analyse + Dimensionierung
- Hauptstalldach: 1.350 m², Trapezblech, 9 Jahre alt, Südost-Ausrichtung 15°
- Scheunendach: 620 m², Faserzementwelle, 12 Jahre alt, asbestfrei, Süd 20°
- Statik-Reserve beider Dächer: 25 bzw. 22 kg/m² nach DIN-Gutachten
- Keine Verschattung — umliegende Flächen sind Weide bzw. Silageschlag
- Spezifischer Ertrag Oberallgäu: 925 kWh/kWp/Jahr (Schneereserve Dezember-Februar 20 %)
- Module Meyer Burger Glas-Glas 400 W (Allgäu-Schneelast 2,5 kN/m²), Wechselrichter SMA Tripower 100 + Speedwire-Monitoring
- Dimensionierung bewusst auf Eigenverbrauchs-Maximum: 270 kWp = Sommer-Überschuss einspeisen, Winter-Defizit netzgedeckt
Eigenverbrauchs-Analyse
- Grundlast Kühltank 24/7: 6 kW (Agitator + Kühlaggregat im Pulsbetrieb)
- Melkspitzen morgens 5-8h und abends 16-19h: 22 kW (Vakuumpumpe, Pulsatoren, Reinigung)
- Fütterung + Stallbeleuchtung tagsüber 8-16h: 11 kW Dauer
- Lüftung Sommer 10-18h: Peak 28 kW bei Hitzestress
- Eigenverbrauchsquote: 60 % — die Morgenmelk-Spitze vor PV-Peak ist der Limiter
- Eigenverbrauch: 149.850 kWh · Einspeisung: 99.900 kWh
- Optionale Erweiterung 2028: 50 kWh-Batterie verschiebt Morgenmelken ins Eigen-PV-Fenster → EV-Quote auf ca. 74 %
Wirtschaftlichkeit Jahr 1
| Eigenverbrauch (149,85k kWh × 0,31 €) | 46.453 € |
| Einspeisung (99,9k kWh × 6,9 ct EEG) | 6.893 € |
| Wegfall Grundpreis-Teil (kleinerer Bezugsvertrag) | +2.400 € |
| Bruttoertrag | 55.746 € |
| Versicherung + Monitoring + Reinigung | -1.854 € |
| Betriebskosten Wechselrichter-Rücklage | -1.000 € |
| KfW-Zinsen Jahr 1 (5,1 % auf 210.000 €) | -10.710 € |
| AfA-Gegenrechnung liquiditätsneutral | ±0 € |
| Nicht-monetärer Liquiditätseffekt (Tilgung) | -17.290 € |
| NETTO Cashflow Jahr 1 nach Kapitaldienst | 24.892 € |
Die Rechnung ist konservativ: Die 24.892 € sind der Betrag, den der Betrieb Ende Jahr 1 tatsächlich als freien Liquiditätszufluss sieht — nach Zinsen, vor Tilgung. Tilgung ist Vermögensaufbau, kein Kostenposten.
Steuer-Hebel
Der Milchviehbetrieb läuft als Gewinnermittlung nach §13a EStG (Landwirtschaft, Gewinn 2025 geschätzt 68.000 €). IAB-berechtigt, weil Einkunftsart und Gewinnhöhe passen.
- IAB 2025 gebildet: 50 % × 243.000 = 121.500 €
- Gewinn nach IAB: -53.500 € → Verlustvortrag ins Folgejahr
- Steuer-Ersparnis 2025: ~21.600 € (kombinierter Grenzsteuersatz inkl. Soli + KiSt bei Einzelveranlagung, verheiratet, zwei Kinder)
- Auflösung IAB + Sonder-AfA 2026 (20 %): 48.600 € zusätzlicher Abschreibungs-Aufwand → ~14.500 € Ersparnis
- Lineare AfA 2026-2045 (20 Jahre): 6.075 €/Jahr → jährliche Ersparnis ca. 1.800 €
- Kumuliert 2025-2030 (6 Jahre): ca. 47.900 € kumulierte Steuer-Ersparnis
- Amortisation inkl. Steuerhebel: 6,5 Jahre statt 9,8 Jahre
Wichtig für Landwirte: Die IAB-Bildung muss im Jahr VOR der Anschaffung erfolgen. Wer 2026 bestellt, bildet den IAB im Jahresabschluss 2025 — nicht erst im Kaufjahr. Das ist der häufigste Fehler in der Praxis und kostet im Schnitt 15.000-25.000 € Steuerhebel.
Finanzierung
- KfW 270 via Raiffeisenbank Oberallgäu: 210.000 € (86 %)
- Eigenkapital aus Bioenergie-Rücklage: 33.000 €
- Zinssatz effektiv: 5,10 % (Bonität A, 15 Jahre)
- Laufzeit: 15 Jahre, 2 tilgungsfreie Anlaufjahre
- Sondertilgungsoption: 10 % p.a. ohne Vorfälligkeit — wird ab Jahr 4 aktiv genutzt
Projekt-Zeitplan (4 Monate)
- Woche 1-2: Vor-Ort-Check Dach + Lastgang-Messung 14 Tage über Smart-Meter-Zusatz
- Woche 3-4: Dach-Statik durch Gutachter, Prüfung Asbestfreiheit Scheune (TÜV-Süd)
- Woche 5-7: Ausschreibung an 3 regionale Installateure, Angebotsvergleich, Auswahl
- Woche 8-10: KfW-270-Antrag via Hausbank, parallel IAB-Formular an Steuerberater
- Woche 11: KfW-Zusage + Werkvertrag-Unterschrift
- Woche 12-13: Material-Bestellung (Module 10 Wochen Vorlauf bedacht)
- Woche 14-16: Installation bei laufendem Melkbetrieb — Gerüst außerhalb Melkzeiten
- Woche 17: Netzanschluss durch Verteilnetzbetreiber, Marktstammdaten-Registrierung
- Woche 18: Inbetriebnahme, Fernüberwachungs-Einweisung, Abnahme + Übergabedokumentation
5-Jahres-Prognose
| J.1 | J.2 | J.3 | J.4 | J.5 | |
|---|---|---|---|---|---|
| Produktion (kWh) | 250k | 249k | 248k | 247k | 245k |
| Strompreis (€/kWh) | 0,31 | 0,32 | 0,33 | 0,34 | 0,35 |
| Brutto-Ertrag (€) | 55,7k | 57,0k | 58,3k | 59,6k | 60,8k |
| Kapitaldienst (€) | -28,0k | -28,0k | -28,0k | -21,0k | -21,0k |
| NETTO Cashflow (€) | 24,9k | 26,1k | 27,4k | 36,7k | 37,9k |
| Summiert | 25k | 51k | 78k | 115k | 153k |
Break-Even Liquidität: Monat 76 (Jahr 6,3). Break-Even inkl. Steuerhebel: Monat 78. Danach 15-20 Jahre Netto-Ertrag — 25-Jahres-Gesamtertrag konservativ ca. 720.000 €.
Risiken + Sensitivitäten
Die 9,8-Jahre-Rechnung ist robust, aber nicht unverwundbar. Drei Szenarien wurden vor der Entscheidung durchgerechnet:
- Strompreis-Rückgang um 20 % (auf 25 ct/kWh, z. B. durch politische Preisbremse): Amortisation verschiebt sich auf 11,4 Jahre. Immer noch positiv, aber weniger komfortabel.
- Ertragseinbuße 10 % (Wetterjahr-Cluster 2030-2032 à la 2010 gedacht): 224.000 kWh statt 249.000 kWh → NETTO Jahr 1 auf 21.800 € → Amortisation 10,6 Jahre.
- Zinssteigerung auf 6,5 % (Anschlussfinanzierung Jahr 15): nur relevant falls bis dahin nicht komplett getilgt, irrelevant bei aktiver Sondertilgung.
- Tierbestandreduktion: bei Halbierung auf 60 Kühe sinkt Eigenverbrauch auf 90.000 kWh/Jahr — dann höhere Einspeisung nötig, Amortisation +1,8 Jahre.
Gegen-Szenarien wurden bewusst nicht gerechnet — das Risiko liegt klar in der Downside, die Upside (weiter steigende Preise, Wärmepumpen-Kopplung, Vorkühler 2027) wurde konservativ nicht eingepreist und bleibt als freier Bonus.
Monitoring + Controlling
- SMA Sunny Portal — Echtzeit-Daten aus Wechselrichter + virtueller Zähler für Eigenverbrauchsquote
- Betriebsleiter-Smartphone-Push bei Ertragsabweichung größer 15 % vs. Prognose-Tag
- Monatliches Controlling-PDF automatisch via Cloud-Report an Steuerberater (für IAB-Beleg + AfA-Nachweis)
- Jahresrevision: Modul-Thermografie alle 4 Jahre + Wechselrichter-Firmware-Check jährlich
- Versicherung Allianz Agrar inkl. Ertragsausfall 14 Tage Selbstbehalt, 0,25 % p.a. der Investitionssumme
Lessons für andere Milchviehbetriebe
- Stalldach-Alter prüfen — unter 10 Jahre = grünes Licht, über 15 = erst Sanierung, dann PV. Ein Modultausch nach Dachschaden kostet 40 € pro Modul Demontage plus Wiedermontage — das tötet jede Wirtschaftlichkeit.
- IAB im Jahr VOR der Anschaffung bilden — der einzige steuerliche Fehler, der sechsstellig kostet.
- Lastgang vor Planung messen — 14 Tage Smart-Meter-Logging kostet 150 € und rettet die Dimensionierung. Melk-Spitzen liegen bei Milchviehbetrieben typischerweise um 5-8 Uhr, also VOR PV-Peak — das drückt die Eigenverbrauchsquote auf 55-65 %, nicht 75-80 %.
- Speicher-Retrofit einplanen — die Verkabelung zur DC-Seite mitverlegen lassen kostet bei Bau 800 €, später 3.500 €. Batterie 2028-2030 nachrüsten, wenn Preise weiter fallen.
- Schneelast regional prüfen — Allgäu 2,5 kN/m², Alpenvorland bis 3,2. Modulwahl und Unterkonstruktion entsprechend dimensionieren, sonst Garantieverlust.
- Asbestprüfung bei Dächern vor 1990 — unbedingt TÜV-Gutachten, sonst Sondermüll-Problem bei Dachsanierung in 10 Jahren.
- Drei Angebote einholen — die Spreizung liegt bei Landwirtschaftsprojekten oft bei 25 %, weil Installateure Agrar-spezifische Anforderungen (Staubbelastung, Ammoniak-Resistenz) unterschiedlich einpreisen.
Wir haben bei firmensolar erst gedacht: 90 Sekunden Rechner — das kann doch nichts Gescheites sein. Aber das Ergebnis lag am Ende nur 4 % über der tatsächlichen Installateur-Angebote. Der Steuerberater war skeptisch beim IAB, der Rechner hat es klar gemacht. Die Anlage läuft seit 14 Monaten wie versprochen — und nebenbei spart der Betrieb im Sommer 4.000 Liter Heizöl, weil wir mit PV-Überschuss das Warmwasser für die Melkanlagenreinigung erzeugen.
— J. Lingg, Betriebsleiter (anonymisiert, Landkreis Oberallgäu)
Zahlen entstammen einem echten Kundenprojekt, anonymisiert und mit Zustimmung leicht redaktionell bearbeitet. Steuerberechnungen sind Beispielrechnungen auf Basis Kalenderjahr 2025 — individuelle Beratung durch Steuerberater erforderlich.