Photovoltaik für Einzelhandel: Kühlung und Beleuchtung mit Sonnenstrom
Einzelhandels-Filialen haben ein fast ideales Tages-Lastprofil für Gewerbe-PV: Öffnungszeiten 9-20 Uhr decken sich zu 80 % mit der Solar-Erzeugung. Kühlvitrinen, Deckenbeleuchtung und Klima sorgen für 55-70 % Eigenverbrauch. Typische Anlage 80-250 kWp, Amortisation 6-8 Jahre.
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Rechner starten →Warum Einzelhandel und PV besonders gut funktionieren
- Öffnungszeiten liegen auf der Sonnenkurve — der Großteil des Einzelhandels öffnet zwischen 9:00 und 20:00 Uhr. Genau das Fenster, in dem eine Süd-Aufständerung 70-85 % ihres Tagesertrags erzeugt.
- Kühlung als Grundlast — Getränkekühler, Tiefkühler und Fleischtheken laufen 24/7. Das hebt den Eigenverbrauchs-Sockel auch abends und am Wochenende.
- Flachdach-Potenzial — Discounter, Drogerien und Modehändler haben typisch 800-3.000 m² Flachdach. Faustregel: 1 kWp pro 6 m². 1.500 m² Dach ergeben rund 250 kWp.
Typische Anlagengrößen für den Einzelhandel
| Filial-Typ | Dach | Anlage | Invest netto | Einsparung/Jahr |
|---|---|---|---|---|
| Kleinfiliale | 400-800 m² | 60-120 kWp | 55-110k € | 11-22k € |
| Discounter Standard | 800-1.500 m² | 120-200 kWp | 110-185k € | 22-37k € |
| Fachmarkt-Zentrum | 1.500-2.500 m² | 200-320 kWp | 185-295k € | 37-58k € |
| Baumarkt / Möbelhaus | 2.500-6.000 m² | 320-800 kWp | 295-720k € | 58-140k € |
Beispielrechnung: 180 kWp auf einer 1.200 m² Filiale
| Investition netto | 162.000 € |
| Anlage | 180 kWp Flachdach-Aufständerung 15° |
| Jahresertrag | 172.800 kWh |
| Eigenverbrauch (63 %) | 108.864 kWh |
| Eigenverbrauch gespart | 29.400 € |
| Einspeisung (37 %) | 4.890 € |
| Betrieb/Versicherung | -2.600 € |
| Netto Jahr 1 | 31.690 € |
| IAB (50 % von 162k) | 24.300 € Liquiditäts-Vorteil |
| Amortisation | 6,3 Jahre |
Besonderheiten im Einzelhandel
Miet- oder Eigenimmobilie?
Zwei Drittel der Einzelhandels-Filialen sind gemietet. Für PV heißt das: Vermieter überzeugen oder Pacht-Modell. Alternative ist ein Mieterstrom-Vertrag oder ein PPA zwischen Vermieter-Anlage und Mieter-Verbrauch. Bei Laufzeit < 10 Jahre lohnt sich die Eigeninvestition oft nicht — dann besser PPA mit 10-15 % Strompreis-Rabatt.
Kühlgeräte als Speicher-Ersatz
Getränke- und Tiefkühler puffern Kälte über 6-12 Stunden. Steuert die Filiale die Kühlung nachts auf tieferen Sollwert und am Tag etwas höher, nutzt sie PV-Strom preiswerter als jeder Batteriespeicher. Ein Lastmanagement-System kostet 3-8k € und hebt den Eigenverbrauch um 5-10 Prozentpunkte.
Brandschutz und Versicherer
Viele Filialverträge enthalten Klauseln zur Versicherung. Vor Installation den Gebäudeversicherer schriftlich informieren. Prämien-Aufschlag liegt bei 5-12 %. Rettungswege nach DGUV bleiben frei, Modul-Abstand zur Attika mindestens 50 cm.
Kombination mit Wallbox und Speicher
Filialen mit Kundenparkplatz können 4-12 öffentliche Wallboxen ergänzen. Das ist Kunden-Magnet und liefert THG-Quote 50-250 € pro Ladepunkt und Jahr. Ein 50-100 kWh Speicher rentiert sich nur bei Strompreisen über 28 ct/kWh und hohem Nacht-Verbrauch — sonst hebt er die Amortisation eher um 1-2 Jahre an.
Häufige Fragen
Lohnt sich PV auch auf einer gemieteten Filiale?+
Ja, per Pacht- oder PPA-Modell. Der Vermieter bleibt Eigentümer, der Mieter bezieht günstigeren Strom mit 10-15 % Rabatt gegenüber Netzbezug. Laufzeit idealerweise 10-20 Jahre.
Wie hoch ist der typische Eigenverbrauch im Einzelhandel?+
55-70 %. Kühlung liefert die Grundlast, Beleuchtung und Klima die Tagesspitze. Ohne Wärmepumpe oder Wallbox selten über 70 %.
Kann ich die Anlage steuerlich abschreiben?+
Ja. IAB nach §7g EStG bis zu 50 % der Invest schon im Vorjahr, anschließend 20 % Sonderabschreibung im Anschaffungsjahr plus lineare 5 % über 20 Jahre. Kombination bringt bis 60 % Steuerentlastung im ersten Jahr.
Wie lange dauert die Installation im laufenden Betrieb?+
2-4 Wochen Montage bei 150-250 kWp, ohne Schließung. Anschluss-Arbeiten am Hauptverteiler laufen meist außerhalb der Öffnungszeiten oder am Sonntag.
Was passiert bei einem Filial-Umzug?+
Demontage und Rück-Installation kosten 90-140 €/kWp. Wirtschaftlich lohnt sich die Mitnahme erst bei Anlagen über 100 kWp und Restlaufzeit über 10 Jahren. Alternative ist Verkauf an den Folge-Mieter oder den Vermieter.